Zweiter Antoniusdienstag: „Wie politisch dürfen Christen sein?“

Beim zweiten Antoniusdienstag der Marienwallfahrt Werl predigte Dr. Antonius Hamers, Diözesanadministrator des Bistums Münster und Leiter des Katholischen Büros in Düsseldorf, das die fünf NRW-Bistümer in politischen Fragen vertritt.

Unter dem Titel „Wie politisch dürfen Christen sein?“ sprach er über die Verantwortung der Kirche und der Christinnen und Christen in Staat und Gesellschaft.

Dr. Hamers betonte, dass Kirche in vielen Bereichen Verantwortung trägt: im Bildungswesen durch Kindertageseinrichtungen und Schulen, im kulturellen Bereich durch Denkmäler und kirchliche Einrichtungen sowie in der sozialen Arbeit durch Krankenhäuser, Altenhilfe und Jugendhilfe. Damit diese Arbeit zuverlässig geleistet werden kann, sei es notwendig, dass Christen sich aktiv in politische Prozesse einbringen und die Rahmenbedingungen mitgestalten.

Er dankte allen, die sich auf kommunaler, Landes-, Bundes- oder europäischer Ebene politisch engagieren, und machte deutlich: Das Evangelium sei kein politisches Programm, sondern richte sich an jeden Einzelnen und zur persönlichen Lebensgestaltung. Wer sein Leben am Evangelium ausrichte, handele automatisch auch verantwortungsvoll im Blick auf andere Menschen, die Gesellschaft und den Staat.

Dr. Hamers erklärte, dass die Kirche keine konkreten politischen Entscheidungen treffen könne. Ihre Aufgabe sei es, Leitplanken zu setzen – zum Beispiel beim Schutz des Lebens, der Freiheit, der Gleichberechtigung oder der Bewahrung der Schöpfung – und an ethische Maßstäbe zu erinnern. Die konkrete Umsetzung dieser Werte liege in den Händen der gewählten Verantwortungsträger.

Ein zentraler Maßstab sei der Blick auf die Schwächsten und der Einsatz für Frieden. Christen seien aufgerufen, Brücken zu bauen, Spaltungen zu vermeiden und zugleich klar Position zu beziehen. Gerade in einer zunehmend säkularen Welt bestehe der Auftrag darin, Zeugnis aus dem eigenen Leben heraus zu geben – durch Gebet, Gottesdienst, Glaube und solidarisches Handeln.

Abschließend betonte Dr. Hamers: Die Verkündigung beginne mit dem glaubwürdigen Zeugnis des Lebens. Wenn Christen solidarisch handeln und Hoffnung ausstrahlen, fragen andere automatisch nach der Quelle ihres Handelns. Oder, wie der heilige Antonius von Padua es ausdrückte: „Unsere Sprache ist eindringlich, wenn unsere Taten reden.“