Jesus scheut den Konflikt nicht
Ausgangspunkt war das Evangelium von der Tempelreinigung (Joh 2,13–22). Ursula Altehenger zeichnete das Bild eines Jesus, der Konflikten nicht ausweicht.
Mit den Frommen spricht er klar und deutlich, den Schwachen begegnet er mit Nachsicht. Doch im Tempel zeigt er auch Zorn und Entschlossenheit. „Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle“, ruft er den Händlern zu.
Sein Handeln macht deutlich: Wo Wesentliches verzerrt wird, braucht es Klarheit. Der Konflikt löst sich nicht harmonisch auf – aber er stößt ein Umdenken an. Jesus stellt sich kompromisslos in den Dienst Gottes und macht deutlich, worum es wirklich geht.
Das Apostelkonzil: Ringen um die Zukunft
Im zweiten Teil blickte Dr. Best auf die Lesung aus der Apostelgeschichte (Apg 15) – das sogenannte Apostelkonzil von Jerusalem.
Die Frage war existentiell: Müssen Nichtjuden zuerst alle Gebote des Mose erfüllen, um Christen werden zu können? Es ging um nicht weniger als die Zukunft der jungen Kirche.
Petrus, Paulus, Barnabas und Jakobus rangen miteinander. Es wurden Argumente ausgetauscht, Erfahrungen eingebracht, Standpunkte verteidigt. Schließlich schlug Jakobus einen Kompromiss vor, der später als „Jakobus-Klausel“ bekannt wurde: Die jüdischen Christen konnten ihre Traditionen bewahren, sie wurden jedoch nicht allen verpflichtend auferlegt.
Ein Beispiel für eine gelungene „Einheit in Vielfalt“. Nicht der Sieg einzelner Positionen stand im Mittelpunkt, sondern die gemeinsame Suche nach einem tragfähigen Weg. Gewinner war nicht eine Gruppe – sondern die Kirche selbst.
Impulse für heute
Was bedeutet das für unsere Kirche in der Gegenwart?
Konflikte schaffen Klarheit. Sie fördern Selbsterkenntnis und können Beziehungen stärken – wenn sie konstruktiv geführt werden. Gerade angesichts aktueller Herausforderungen – etwa im Umgang mit Missbrauch, in Fragen kirchlicher Verantwortung von Frauen oder in der Suche nach glaubwürdigen Strukturen – braucht es Gespräch, gegenseitiges Zuhören und ernsthaftes Ringen um gemeinsame Lösungen.
So kann Kirche auch in Umbruchszeiten Zukunft gewinnen.
Dass diese Predigt von zwei Seelsorgenden gemeinsam gehalten wurde, war dabei selbst ein Zeichen: Unterschiedliche Perspektiven müssen kein Hindernis sein – sie können ein Reichtum sein, wenn sie im Geist des Evangeliums zusammengeführt werden.
Die Antoniusdienstage 2026 laden weiterhin dazu ein, Christsein in bewegten Zeiten neu zu bedenken – ehrlich, klar und hoffnungsvoll.