Sechster Antoniusdienstag: Christsein in Umbruchszeiten

Am 3. März 2026 versammelten sich zahlreiche Gläubige in der Wallfahrtsbasilika zur Feier des sechsten Antoniusdienstages. Unter dem Leitwort „Christsein in Umbruchszeiten – hart, heilsam, hoffnungsvoll“ stand der Gottesdienst ganz im Zeichen der aktuellen Herausforderungen für Kirche und Gemeinden.

Hauptzelebrant war Pater Vincent Grunwald OSB. Mit ihm am Altar standen Wallfahrtsleiter Pastor Bernd Haase sowie Msgr. Dr. Best als Konzelebranten. Die Predigt hielten Wallfahrtsseelsorger Pater Vincent Grunwald OSB und Wallfahrtsseelsorger Markus Ende.

„Diese Rede ist hart“ – Erfahrungen des Umbruchs

Ausgehend vom Wort des Evangeliums „Diese Rede ist hart. Wer kann sie hören?“ (Joh 6,60) nahm Markus Ende die gegenwärtigen Veränderungsprozesse in den Blick. Besonders die sogenannten Immobilienprozesse im Erzbistum Paderborn führen vielerorts zu schmerzhaften Entscheidungen. Kirchen, Pfarrheime und vertraute Orte stehen auf dem Prüfstand.

Was auf dem Papier wie eine strukturelle Maßnahme erscheint, bedeutet für viele Menschen einen tiefen Einschnitt in ihre Glaubens- und Lebensgeschichte. Hinter jedem Gebäude stehen Erinnerungen: an Taufe, Erstkommunion, ehrenamtliches Engagement und gelebte Gemeinschaft. Abschiede tun weh – und sie sind hart.

Gleichzeitig stellte die Predigt die entscheidende Frage: Woran hängt unser Glaube? An Mauern und Strukturen – oder an Christus selbst? Schon der Hebräerbrief ermutigt, sich an die Anfänge zu erinnern und im Vertrauen standzuhalten.

Umbruchszeiten als Gnadenzeiten

Pater Vincent griff diesen Gedanken auf und erinnerte an einen prägenden Satz aus seiner Studienzeit an der Theologischen Fakultät in Paderborn: „Umbruchszeiten sind Gnadenzeiten.“

Das sechste Kapitel des Johannesevangeliums mit der Rede vom „Brot des Lebens“ führe mitten hinein in diese Spannung. Jesu Worte fordern heraus – damals wie heute. Sie verweisen darauf, dass unser Leben nicht im Vorläufigen aufgeht, sondern auf Ewigkeit hin ausgerichtet ist.

Persönlich verband Pater Vincent diese Gedanken mit Erinnerungen an seine eigene Glaubensgeschichte: an Erstkommunion, Heimatgemeinde und priesterlichen Weg. Gerade weil Kirchenräume mit so vielen Erfahrungen verknüpft sind, seien Veränderungen schmerzhaft. Doch die Kirche sei mehr als ein Gebäude: Sie ist das „Haus aus lebendigen Steinen“, gegründet auf Christus als Eckstein.

Hart – heilsam – hoffnungsvoll

In einem gemeinsamen Schlussteil fassten die Prediger die Situation in drei Worten zusammen:

  • Hart, weil Abschiede, Unsicherheiten und Entscheidungen belasten.

  • Heilsam, weil im Loslassen Raum entsteht für neue Formen des Glaubens und der Gemeinschaft.

  • Hoffnungsvoll, weil Christus bleibt und sein Wort trägt.

So mündete die Predigt in das Bekenntnis des Petrus: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens.“ Dieses Vertrauen wolle auch die Marienwallfahrt in Werl in die kommenden Schritte begleiten.

Der sechste Antoniusdienstag wurde so zu einer Einladung, die gegenwärtigen Umbrüche nicht nur als Verlust, sondern auch als geistliche Klärung zu verstehen – getragen von der Hoffnung, dass Gott seine Kirche auch in dieser Zeit führt und vollendet.

Predigt zum sechsten Antonius-Dienstag