Wallfahrtsleiter Pastor Bernd Haase hieß den Weihbischof zu Beginn der Eucharistiefeier herzlich willkommen und erinnerte dabei auch an dessen gute und langjährige Beziehungen zu Werl und zur Gottesmutter, der Trösterin der Betrübten.
In seiner Predigt nahm Weihbischof Lohmann die Anliegen auf, die Menschen auf ihrem Weg nach Werl mitbringen: Sorgen und Ängste ebenso wie Freude und Dankbarkeit. Pilgerorte seien Orte der Ermutigung, geistlichen Erbauung und neuen Kraft. Hier könne Glauben neu lebendig werden.
Dabei knüpfte er an das diesjährige Wallfahrtsmotto „Wenn es dir guttut, dann komm.“ an. Dieses Wort könne, so der Weihbischof, auch als Einladung der Gottesmutter von Werl verstanden werden: „Wenn es dir guttut, dann komm.“ Bei Maria dürften Menschen mit allem, was sie bewegt, ankommen. Sie zeige den Weg zu ihrem Sohn Jesus Christus und lasse niemanden allein.
Gerade jetzt: Hoffnung statt Resignation
Gleichzeitig nahm Weihbischof Lohmann die vielen Herausforderungen unserer Zeit in den Blick. Kriege, Hunger, Ungerechtigkeit, die Sorge um die Demokratie und die Folgen des Klimawandels könnten Menschen mutlos machen. Auch die Veränderungen und Sorgen innerhalb der Kirche bewegten viele Gläubige.
Doch gerade in diese Wirklichkeit hinein spreche das Evangelium von Hoffnung. In Anlehnung an die Lesung aus dem Buch Jesaja erinnerte der Weihbischof daran: Das Volk, das in der Finsternis geht, sieht ein helles Licht.
Aus dieser Überzeugung heraus stellte er einen Gedanken in den Mittelpunkt seiner Predigt: „Gerade jetzt.“
Gerade jetzt gelte es, sich mit den eigenen Begabungen und Talenten einzubringen. Gerade jetzt sei es wichtig, Kirche nicht schlechtzureden, sondern sie mitzugestalten. Gerade jetzt seien Christinnen und Christen gerufen, zu ihrer Gemeinde zu stehen, Verantwortung zu übernehmen und sich in Verbänden, Gremien, Gebetsgruppen, der Caritas oder Besuchsdiensten einzusetzen.
„Ich bin Kirche“, machte Weihbischof Lohmann deutlich. Durch Taufe und Firmung habe jeder Mensch eine Sendung und Verantwortung erhalten. Christsein bedeute deshalb, sich einzubringen und andere zu ermutigen.
Mehr vom Licht sprechen als von der Dunkelheit
Ein weiterer Gedanke der Predigt war die Einladung, nicht bei der Dunkelheit stehenzubleiben. Weihbischof Lohmann ermutigte die Gläubigen, mehr vom Licht als von der Dunkelheit zu sprechen und von der Hoffnung zu erzählen, die der Glaube schenkt.
Maria könne dabei ein besonderes Vorbild sein. Ihr Ja zu Gott, ihre Treue und ihr Mut – gerade auch unter dem Kreuz ihres Sohnes – seien Ausdruck eines Glaubens, der sich nicht entmutigen lasse. Als Königin und Trösterin lade sie dazu ein, den eigenen Glauben mutig zu leben, Menschen des Gebetes zu sein und aus dem Evangelium heraus zu handeln.
Besonders nachdenklich machte eine Begegnung, von der Weihbischof Lohmann berichtete. Während einer Visitation begegnete er einer muslimischen Mutter, deren Kinder einen katholischen Kindergarten besuchen. Sie habe ihm gesagt, wie dankbar sie sei, dass dort noch von Gott gesprochen werde – und zugleich die Christen ermahnt: Sie müssten aufpassen, sich nicht selbst aufzugeben.
Für Weihbischof Lohmann war dies ein eindringlicher Impuls. Aufgeben dürfe für Christinnen und Christen keine Option sein. Vielmehr gelte es, den Glauben mit neuer Freude und Zuversicht zu leben. Mit Blick auf das Zweite Vatikanische Konzil erinnerte er daran, dass alle Getauften zum pilgernden Gottesvolk gehören und berufen sind, am Leben und an der Zukunft der Kirche mitzuwirken.
Die große Zeit des Christentums, so ein von ihm aufgegriffener Gedanke, könne noch vor uns liegen – wenn wir daran glauben und uns einbringen.
„Wenn es dir guttut, dann komm“
Am Ende führte Weihbischof Lohmann die Gedanken seiner Predigt noch einmal zum Wallfahrtsort Werl zurück. Die Gottesmutter, die Trösterin der Betrübten, stehe den Menschen zur Seite und zeige den Weg zu Jesus Christus. Zu ihr könne man mit Sorgen und Fragen, aber auch mit Freude und Dank kommen.
Und so bleibt die Einladung der Wallfahrt bestehen: „Wenn es dir guttut, dann komm.“ Komm, um neue Kraft zu schöpfen. Komm, um dich aufrichten zu lassen. Komm, um Ermutigung und Hoffnung zu erfahren. Und komm, um gestärkt wieder in den Alltag zurückzugehen und selbst ein Lichtträger für andere zu sein.
Zum Schluss der Eucharistiefeier dankte Wallfahrtsleiter Pastor Bernd Haase Weihbischof Rolf Lohmann herzlich für seine ermutigende Predigt. Zugleich kündigte er an, dass der Weihbischof bereits am kommenden Wochenende wieder in Werl zu Gast sein wird: Dann begleitet er die 350. Wallfahrt aus Werne in die Wallfahrtsstadt.