Ausgehend vom Begriff „Umbruch“, der ursprünglich aus der Druckersprache stammt und das Neuordnen von Texten bezeichnet, spannte Städter einen anschaulichen Bogen: Wenn ein Text „umgebrochen“ wird, beginnt ein neuer Abschnitt, eine neue Seite. So seien auch Umbruchszeiten im Leben – Zeiten, in denen Vertrautes endet und Neues beginnt.
Gerade solche Phasen würden häufig als Krisen erlebt. Gewohnte Strukturen brechen weg, Sicherheiten schwinden, Neues ist noch nicht vertraut. Das gelte auch für kirchliches Leben, das sich in vielen Bereichen verändert. Doch Umbruch sei nicht nur Verlust, sondern immer auch Anfang.
Mit Bezug auf Papst Franziskus und dessen Buch „Wage zu träumen!“ stellte Städter vier geistliche Haltungen vor, die helfen können, Umbruchszeiten fruchtbar zu gestalten:
1. Die Wirklichkeit annehmen.
Statt einer verklärten Vergangenheit nachzutrauern, gelte es, die Gegenwart als Ort des eigenen Glaubens ernst zu nehmen. Gott wirke nicht in einer idealisierten früheren Zeit, sondern im Hier und Jetzt – auch in Zeiten struktureller Veränderungen und Herausforderungen.
2. Sich an den Werten des Evangeliums orientieren.
Wenn vieles im Wandel ist, brauche es einen festen inneren Kompass. Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Vergebung, Demut und Gottesliebe bleiben tragende Werte – unabhängig von äußeren Veränderungen.
3. Raum für stille Reflexion schaffen.
Wer sich nur vom Dringlichen treiben lasse, verliere leicht den Blick für das Wesentliche. Zeiten der Stille und des Nachdenkens helfen, zwischen dem zu unterscheiden, was wirklich wichtig ist, und dem, was nur laut erscheint.
4. Im Gebet Jesus suchen.
Im Evangelium vom zwölfjährigen Jesus im Tempel (Lk 2,41–52) werde deutlich: Jesus muss gesucht werden. Dieses Motiv ziehe sich durch das ganze Lukasevangelium bis hin zu Passion und Auferstehung. Auch heute sei es Aufgabe der Kirche und jedes Einzelnen, Jesus in den Zeichen der Zeit neu zu suchen – gerade dann, wenn Gewohntes verloren scheint.
So verstand Spiritual Städter Umbruchszeiten nicht als Bedrohung, sondern als geistliche Einladung: als Chance zu wachsen, tiefer zu glauben und bewusster zu leben.
Geistlich mit Umbruchszeiten umzugehen heißt demnach vor allem: ohne Angst, mit Mut und Hoffnung Jesus zu suchen – gerade auf neuem, ungewohntem Terrain.