Bert Gerresheim zu Besuch in der Wallfahrt

18. August 2021
Der bedeutende Künstler Bert Gerresheim stattete der Werler Wallfahrt einen kurzen Besuch ab, um letzte Absprachen zu seiner gestalteten Station des Franziskusweges zu treffen.

Der Franziskusweg wird ab Ende Oktober mit seinen acht Stationen die Werler Innenstadt und die Marienwallfahrt bereichern. Die beiden Künstler Otmar Alt und Bert Gerresheim haben getrennt von einander die Kunstwerke geschaffen, welche mit Infotafeln und teils mit Sitzgelegenheiten ergänzt werden.

Erinnern soll der Weg an das über 170 jährige Wirken der Franzikaner in Werl. Dargestellt sind die einzelnen Verse des Sonnengesangs des Hl. Franziskus.
Er lobt in diesem Gebet die Schöpfung Gottes mit seinen verschiedenen Elementen und Geschöpfen. Franziskus schrieb dieses Lied auf altitalienisch deswegen ist es zum Beispiel bei der letzten Station möglich den Bruder Tod auch Schwester Tod zu nennen.

Gerade dieser besonderen Station widmete sich der Künstler Bert Gerresheim. Der Tod, welcher zum Leben dazugehört begegnet dem Hl. Franziskus. In ihrer Begegnung  kommt es fast zur Berührung, aber auch eben nur fast. Denn keiner weiß den Tag, noch die Stunde.

 

Der Sonnengesang

Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Gelobt seist du, mein Herr,
mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne,
welcher der Tag ist und durch den du uns leuchtest.
Und schön ist er und strahlend mit großem Glanz:
Von dir, Höchster, ein Sinnbild.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet,
klar und kostbar und schön.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken
und heiteres und jegliches Wetter,
durch das du deinen Geschöpfen Unterhalt gibst.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest;
und schön ist es und fröhlich und kraftvoll und stark.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns erhält und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt
und bunte Blumen und Kräuter.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden,
denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Wehe jenen, die in tödlicher Sünde sterben.
Selig jene, die er findet in deinem heiligsten Willen,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

Lobt und preist meinen Herrn
und dankt ihm und dient ihm mit großer Demut.

Aus: Dieter Berg, Leonhard Lehmann (Hg.), „Franziskus-Quellen“
© 2009 Edition Coelde in der Butzon & Bercker GmbH