Gastprediger Prof. Dr. Adrian Wypadlo führte die Gläubigen mit einem eindrücklichen Bild in seine Predigt ein: dem Untergang der Titanic als Symbol für menschliche Sicherheiten, die plötzlich zerbrechen. Fortschritt, Technik und scheinbare Gewissheiten – sie alle können ins Wanken geraten. Doch gilt das auch für den Glauben?
Ausgehend von den biblischen Lesungen entfaltete der Prediger drei zentrale Zugänge zu Krisen- und Umbruchzeiten. Im Propheten Elija (1 Kön 19) begegnet uns ein Mensch am Rand der Verzweiflung, der Gott nicht im Sturm oder im Feuer findet, sondern im leisen Säuseln des Windes. Gerade darin liegt eine Einladung für heute: Gott ist auch in der Stille unserer Zeit erfahrbar – jenseits von Lärm, Hektik und Oberflächlichkeit.
Mit Blick auf das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte zeigte Prof. Dr. Wypadlo, dass das Christentum von Anfang an in einer pluralen und herausfordernden Welt gelebt wurde. Der Evangelist Lukas begegnet dieser Vielfalt nicht mit Angst, sondern mit Offenheit und Vertrauen. Das Evangelium richtet sich an den einzelnen Menschen, nimmt seine Fragen ernst und bietet tragfähigen Boden – damals wie heute.
Ein dritter Impuls aus dem Hebräerbrief machte deutlich: Auch innere Glaubenskrisen gehören zur Geschichte der Kirche. Doch gerade hier setzt die christliche Hoffnung an. Gott ist kein ferner, schweigender Gott, sondern einer, der spricht – in Jesus Christus. In ihm ist der Zugang zu Gott immer offen, auch in Zeiten der Unsicherheit.
So wurde deutlich: Umbrüche sind kein Zeichen des Endes, sondern gehören wesentlich zum Weg des Glaubens. Die Bibel selbst erzählt von Aufbrüchen, Krisen und Neuanfängen. Sie lädt dazu ein, gerade heute neu auf Gott zu vertrauen.
Der siebte Antoniusdienstag machte Mut, die Zeichen der Zeit nicht nur als Bedrohung zu sehen, sondern als geistliche Chance: zur Besinnung, zur Offenheit und zu einem erneuerten Vertrauen darauf, dass Gottes Zeit immer Gegenwart ist.