Wallfahrt der Schlesier, Oberschlesier sowie der Grafschaft Glatz 2026

Zahlreiche Gläubige kamen am Sonntag, 28. Juni 2026, zur traditionellen "Schlesier-Wallfahrt" in die Wallfahrtsbasilika nach Werl.

Die Wallfahrt, die seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil des kirchlichen Lebens der schlesischen Heimatvertriebenen ist, erinnerte an die Geschichte von Flucht und Vertreibung und setzte zugleich ein deutliches Zeichen für Frieden, Versöhnung und christliche Hoffnung.

Hauptzelebrant des feierlichen Pontifikalamtes war Weihbischof Wilfried Theising, Weihbischof im Bistum Münster, welcher am Beginn des Gottesdienstes von Wallfahrtsleiter Pastor Bernd Haase begrüßt wurde. Des Weiteren assistierte Diakon Herbert Rautenstrauch aus Neheim in der Messe und trug das Evangelium vor.

In seiner Predigt erinnerte Weihbischof Theising an die besondere Bedeutung Werls für die schlesischen Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Jahr 1946 habe für den Wallfahrtsort eine neue Prägung gebracht: Viele Menschen, denen die Heimat genommen worden war und die großes Leid erfahren hatten, fanden in Werl Trost und neue Hoffnung. Maria, verehrt als „Trösterin der Betrübten“, sei für sie zu einem Zeichen des Friedens und der Zuversicht geworden.

Dabei würdigte der Weihbischof das Engagement der Schlesier, Oberschlesier und Glatzer, die das Erbe ihrer Heimat bis heute bewahren. Dies geschehe nicht, um erlittenes Unrecht ständig in den Mittelpunkt zu stellen, sondern als Mahnung für ein friedliches Miteinander. Gerade angesichts der heutigen Kriege sei ihre Erfahrung von Vertreibung und Leid ein eindringlicher Appell, Konflikte niemals mit Gewalt lösen zu wollen. Krieg zerstöre menschliches Zusammenleben und dürfe niemals Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele sein.

Ausgehend vom Werler Gnadenbild der Gottesmutter erläuterte Theising die Bedeutung des lateinischen Titels Consolatrix Afflictorum – Trösterin der Betrübten. Wörtlich könne man auch von der „Trösterin der Angeschlagenen“ sprechen. Jeder Mensch kenne Situationen, in denen Krankheit, Sorgen oder persönliche Schicksalsschläge das Leben belasteten. Das Gnadenbild nehme diese Erfahrungen ernst und lade dazu ein, im stillen Gebet neue Kraft zu schöpfen.

Der Weihbischof schilderte auch seine persönliche Erfahrung mit dem Werler Marienbild. Wer sich bewusst Zeit nehme und den Blick auf Maria und das Jesuskind richte, spüre, wie Verzweiflung weiche und Frieden ins Herz einkehre. Diese innere Veränderung befähige dazu, selbst Trost zu schenken, Kranke zu begleiten, Hoffnung weiterzugeben und sich für ein gutes Miteinander einzusetzen.

Mit Blick auf das Tagesevangelium von der Begegnung Marias mit Elisabeth betonte Theising, dass Maria stets auf ihren Sohn Jesus Christus verweise. Er sei der eigentliche Friedensbringer und Erlöser. Maria trage seine Botschaft in die Welt und lade die Menschen bis heute ein, sich von Gottes Liebe verwandeln zu lassen.

Zum Abschluss ermutigte der Weihbischof die Wallfahrerinnen und Wallfahrer, den Trost und die Hoffnung des Wallfahrtstages mit nach Hause zu nehmen – besonders zu den Menschen, die aus Alters- oder Krankheitsgründen nicht mehr selbst nach Werl kommen können. Das Gnadenbild führe nicht nur zu einer religiösen Tradition, sondern mitten hinein in die lebendige Beziehung zwischen Gott und den Menschen.

Die Schlesier-Wallfahrt machte damit erneut deutlich, dass Erinnerung und Versöhnung zusammengehören. Sie bleibt für viele Heimatvertriebene und ihre Familien ein Ort des Glaubens, der Gemeinschaft und der Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden.