Neunter Antoniusdienstag Heilsame Haltepunkte auf dem Lebensweg

Am 24. März 2026 stand der neunte Antoniusdienstag in der Werl unter einem ebenso lebensnahen wie tiefgehenden Thema: „Heilsame Haltepunkte: Mit Gottes Zeichen durch die (Um)-Brüche des Lebens pilgern“.

Wallfahrtsseelsorger Pastor Stephan Mockenhaupt nahm die Gläubigen mit auf eine spirituelle Spurensuche nach den „Geschenken Gottes“ im Leben der Menschen.

Ausgehend von der einfachen Erfahrung des Schenkens machte er deutlich: Nicht die Größe oder der materielle Wert eines Geschenks ist entscheidend, sondern die Botschaft dahinter – „Wie schön, dass es dich gibt!“ Gerade im Laufe des Lebens verschiebt sich dabei der Blick: Weg vom Gegenständlichen hin zu Zeit, Beziehung und echter Begegnung.

Diese Perspektive übertrug Pastor Mockenhaupt auf die Sakramente der Kirche. Sie seien Geschenke Gottes selbst – sichtbare Zeichen seiner unsichtbaren Liebe. In ihnen erfahren Menschen Zusage, Trost, Stärkung und Gemeinschaft, besonders in den Brüchen und Übergängen des Lebens.

Sehnsucht nach Halt in unsicheren Zeiten

In einer Zeit, in der vieles nicht mehr selbstverständlich ist – weder kirchliche Bindungen noch traditionelle Lebenswege – wachse die Sehnsucht nach Orientierung und Halt. Auch wenn weniger Menschen die Sakramente in Anspruch nehmen, zeige sich darin keine Abkehr vom Glauben, sondern vielmehr ein tiefes Bedürfnis nach Sinn, Ritualen und tragfähigen Zeichen.

Die entscheidende Frage sei daher nicht, ob Menschen solche Zeichen brauchen, sondern ob sie diese noch als lebensnah und heilsam erfahren können.

Jesus als Gastgeber – ohne Vorbedingungen

Ein zentrales Bild der Predigt war das Evangelium vom Mahl mit Zöllnern und Sündern (Mk 2,13–17). Jesus begegnet Menschen ohne Vorbedingungen: Er setzt sich an den Tisch, hört zu und schafft Gemeinschaft. Aus dieser Begegnung wächst Vertrauen – und daraus Veränderung.
Dieses Geschehen beschrieb Pastor Mockenhaupt als zutiefst „sakramental“: Ein sichtbares Zeichen – das Mahl – eröffnet eine unsichtbare Wirklichkeit – die Liebe Gottes.
Auch das bekannte Bild „Das Mahl der Sünder“ von Sieger Köder verdeutliche diese Botschaft: Eine vielfältige, gebrochene Gemeinschaft versammelt sich um Christus, der mitten unter ihnen ist. Der Tisch wird zum Ort der Würde, der Annahme und der neuen Gemeinschaft – mit Platz für jeden Einzelnen.

Kirche als offenes Haus

In Anlehnung an Papst Franziskus erinnerte der Prediger daran, dass Kirche kein Ort der Ausgrenzung sein dürfe. Sie solle vielmehr „Vaterhaus“ und „Feldlazarett“ sein – ein Raum, in dem Wunden gesehen und geheilt werden.
Die Sakramente seien daher keine Belohnung für die Vollkommenen, sondern Stärkung für die Schwachen. Sie öffnen Räume der Begegnung und laden Menschen ein, unabhängig von ihrer Lebenssituation.

Erfahrbare Nähe Gottes im Alltag

Besonders eindrücklich waren die konkreten Beispiele aus der Seelsorge:
– die Krankenkommunion bei älteren Menschen,
– die Krankensalbung in Zeiten von Angst und Krankheit,
– Eucharistiefeiern in Justizvollzugsanstalten,
– persönliche Segnungen und das Sakrament der Versöhnung.

In all diesen Momenten werde spürbar: Gott ist nahe. Menschen fühlen sich gesehen, angenommen und getragen. Die Sakramente werden so zu echten „Haltepunkten“, die stärken und heilen.

Einladung zur Wallfahrt

Am Ende stand eine Einladung, die zugleich ein Leitwort für die kommende Wallfahrtszeit ist – inspiriert vom heiligen Franz von Assisi:

„Wenn es dir guttut, dann komm.“

Mit allem, was das Leben ausmacht: Freude und Zweifel, Hoffnung und Brüche. Der Tisch des Herrn ist bereitet – und jeder Mensch ist willkommen. Denn letztlich gilt die Zusage, die im Zentrum der Predigt stand:

Du bist gesehen. Du bist gemeint. Du bist ein Geschenk Gottes.