Achter Antoniusdienstag Vom Umbruch zum Aufbruch / Erfahrungen aus der Kirche in Frankreich

Beim achten Antoniusdienstag in der Wallfahrtsbasilika Werl stand ein Thema im Mittelpunkt, das viele Gläubige derzeit bewegt: Christsein in Zeiten des Umbruchs.

Dietmar Röttger, Propst aus Soest, nahm die Gottesdienstgemeinde mit auf eine Spurensuche nach neuen Aufbrüchen – und lenkte den Blick dabei bewusst über die Grenzen hinaus nach Frankreich.

Dort ist in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung zu beobachten: Trotz einer stark säkularisierten Gesellschaft und schwieriger kirchlicher Rahmenbedingungen wächst die Zahl der Taufen deutlich. Besonders viele Jugendliche und junge Erwachsene entscheiden sich aus eigenem Antrieb für den Glauben. Für Propst Röttger ist das ein ermutigendes Zeichen – ein „Lichtstrahl“ inmitten vieler Herausforderungen, die auch die Kirche in Deutschland prägen.

Dabei machte er deutlich, dass dieser Aufbruch nicht das Ergebnis gezielter Strategien oder großer Programme ist. Vielmehr zeige sich hier ein tiefes geistliches Suchen junger Menschen: die Sehnsucht nach Sinn, nach Orientierung und nach Glauben. Persönliche Zeugnisse, Erfahrungen von Stille und Liturgie sowie das einfache, glaubwürdige Vorbild von Großeltern spielen dabei eine entscheidende Rolle. Es sind oft unscheinbare Wege, auf denen Menschen neu zum Glauben finden.

Diese Beobachtungen verband Propst Röttger mit den biblischen Texten des Tages. Sowohl die Taufe des Hauptmanns Kornelius in der Apostelgeschichte als auch das Gleichnis von der wachsenden Saat im Markusevangelium machen deutlich: Es ist Gottes Geist selbst, der wirkt – oft unabhängig von menschlichem Planen und Machen. Aufgabe der Kirche sei es daher weniger, alles zu steuern, sondern vielmehr aufmerksam wahrzunehmen, wo Gott bereits am Werk ist, und diesem Wirken Raum zu geben.

Auch vor Ort, so Röttger, lassen sich solche Aufbrüche entdecken – oft im Kleinen und Unscheinbaren: Eltern, die mit der Geburt ihres Kindes neu nach Gott fragen; Jugendliche, die aus eigenem Antrieb den Weg in die Kirche suchen; Menschen, die sich aus Nächstenliebe heraus engagieren. All dies geschieht nicht aufgrund ausgefeilter Konzepte, sondern aus einer inneren Bewegung heraus.

Gerade in Zeiten kirchlichen Umbruchs, die auch von Abschieden und Veränderungen geprägt sind, lädt diese Perspektive zu neuem Vertrauen ein. Gottes Reich wächst – nicht immer sichtbar und planbar, aber verlässlich. Die Kirche darf sich dabei als Mitarbeitende Gottes verstehen: nicht als alleinige Gestalterin, sondern als Begleiterin dessen, was Gott selbst in den Herzen der Menschen beginnt.

So wurde der Antoniusdienstag zu einer Ermutigung, den Blick zu weiten, Hoffnung zu schöpfen und sensibel zu bleiben für die leisen Zeichen des Aufbruchs – hier in Werl und weit darüber hinaus.

Predigt zum 8. Antoniusdienstag – Propst Dietmar Röttger