Papstwappen unter den Arkaden des Vorplatzes

Seit dem 16. Oktober 1953 trägt die von 1903/04 bis 1906 erbaute Werler Wallfahrtskirche St. Maria Heimsuchung den Ehrentitel BASILICA MINOR.

Die „kleine Basilika“ – zur Unterscheidung von den vier Haupt-Basiliken in Rom. Diese besondere Auszeichnung, die nicht mit der gleichlautenden kunstgeschichtlich-architektonischen Bezeichnung Basilika zu verwechseln ist, verleiht ausschließlich der Papst. 2026 gibt es in Deutschland 79 Kirchen, die diesen Ehrentitel tragen, im Erzbistum Paderborn nur die in Werl.

Nach der Verleihung des Titels ist die Verwendung gelb-weißer päpstlicher Fahnen mit gekreuzten Schlüsseln möglich. In vielen Basiliken sind außerdem ein gelb-rot gestreifter kegelförmiger Seidenschirm sowie ein Glöckchen als besondere Ehrenzeichen zu sehen, auf die in Werl in der langen Tradition der Franziskaner, deren Ideal die Armut und Bescheidenheit ist und die hier bis 2019 tätig waren, auch weiterhin bewusst verzichtet wird.

Die Hauptfassade einer Basilika trägt das WAPPEN des amtierenden Papstes, oft mehrfarbig auf einer Metalltafel, in Werl jedoch als Besonderheit seit Beginn in einer Steinausführung. Am 13./14. Oktober 2025 wurde das Wappen Papst Leos XIV. dort angebracht; die seiner Vorgängerpäpste von 1953 bis 2025 hängen hier unter den Arkaden.

Text: Monsignore Dr. Gerhard Best, Marienwallfahrt Werl

Papst Pius XII. (1939 bis 1958)

Bürgerlicher Name Eugenio Pacelli

Wahlspruch OPUS IUSTITAE PAX

(Das Werk der Gerechtigkeit ist der Friede.)

(wie bereits als Erzbischof)

Er erhob die Werler Wallfahrtskirche am 16. Oktober 1953 anlässlich des bevorstehenden Marianischen Jahres 1954 zur BASILICA MINOR.

Die Rahmung seines Wappens entspricht der Tradition und besteht aus der TIARA (dreifache päpstliche Krone) sowie den Himmelsschlüsseln des Apostels Petrus.

Der vorwiegend in der Göttlichen Farbe blau gestaltete Wappenschild zeigt passend zu seinem Familiennamen und zum päpstlichen Wahlspruch, den er genauso schon als Erzbischof geführt hatte, die Friedenstaube mit dem Olivenzweig auf einem stilisierten Berg mit drei Gipfeln, das ähnlich bereits in seinem erzbischöflichen Wappen abgebildet war. Der in sehr vielen päpstlichen Wappen zu dargestellte stilisierte Berg ist unabhängig von individuellen Verbindungen zum jeweiligen Papst ein grundsätzlicher Hinweis auf den Apostel Petrus, den Jesus den FELS der KIRCHE nennt (Matthäus 16,1). Neu und erst in seinem päpstlichen Wappen zu sehen ist bei Pius XII. die darunter liegende grünfarbige Fläche – symbolisch für die Erde – sowie silbrig-blau das Meer. Die Wappenzier Pius XII. verbindet somit den Himmel mit der Erde und dem Meer. Diese Gesamtkomposition erinnert durch die bereits dort erwähnten Symbole auch an den Friedensbund Gottes mit Noach nach der großen Flut (Genesis 6,1-9,29): Wasser, Land und Himmel; den Berg Ararat, auf dem die Arche aufsetze sowie die Taube mit dem Olivenzweig im Schnabel. Das bischöfliche Wappen von Eugenio Pacelli zeigte sogar noch den in der Noach-Geschichte genannten Regenbogen.

In Steinguss gefertigt wurde das Wappen von August Wäscher (Werl).

Papst Johannes XXIII. (1958 bis 1963)

Bürgerlicher Name Angelo Roncalli

Wahlspruch OBOEDIENTIA ET PAX

(Gehorsam und Friede)

(wie bereits als Patriarch von Venedig)

Rahmung des Wappens in der traditionellen Symbolik

Seinen Wahlspruch und die Gestaltung des Wappenschilds hat Johannes XXIII. aus seiner Zeit als Patriarch von Venedig übernommen. Deutlich wird das am Löwen als Symbol des Evangelisten Markus, dem Patron der Stadt Venedig und ihres Domes.

Der steinerne Turm, auf weiß-rotem Hintergrund, und die zwei Lilien verbinden die Biographie des Papstes mit traditionellen biblischen und marianischen Bildern. Der Turm Davids weist hin auf den Schutz Gottes als Zufluchtsort für den Beter (Psalm 61,4) und erinnert zugleich an die Herkunft Roncallis aus dem Dorf Sotto il Monte und an sein Wirken in Bergamo, die Lilien an seine Zeit als Nuntius in Frankreich.

In Steinguss gefertigt wurde das Wappen von Joseph Wäscher (Werl).

Papst Johannes Paul II.

Bürgerlicher Name Karol Wojtyła

Wahlspruch TOTUS TUUS (Ganz der Deine)

(wie bereits als Erzbischof von Krakau)

Rahmung des Wappens in der traditionellen Symbolik – auch weiterhin mit der Tiara.

Die Gestaltung des Wappenschilds, die aus der Zeit in Krakau übernommen wurde, verzichtet sowohl auf familiäre als auch regionale Hinweise aus der Lebensgeschichte Karol Wojtyła. Stattdessen enthält sie eine klare theologische Botschaft: Das Kreuz als Zeichen Jesu Christi und das M für Maria, die unter dem Kreuze stand. Das Blau des Hintergrundes gilt sowohl als göttliche wie auch als marianische Farbe.

In Steinguss gefertigt wurde das Wappen von Joseph Wäscher (Werl).

Papst Benedikt XVI.

(2005-2013 / + 2022)

Bürgerlicher Name Joseph Ratzinger

Wahlspruch COOPERATORES VERITATIS (Mitarbeiter der Wahrheit)

(wie bereits als Erzbischof von München und Freising)

Benedikt XVI. verzichtet bei der Rahmung des Wappens als erster Papst auf die Tiara und ersetzt sie durch die Mitra, also die Kopfbedeckung der Bischöfe, die allerdings durch die drei Querstreifen noch deutlich an die drei Kronenringe der Tiara erinnert. Zusätzlich erscheint unter dem Wappen das Pallium, das alle Erzbischöfe als Zeichen der Hirtensorge tragen. Aus der traditionellen Symbolik stammen weiterhin die Himmelsschlüssel des Apostels Petrus.

Der Wappenschild übernimmt die drei Symbole des Wappens aus der Zeit Joseph Ratzingers als Erzbischof von München: den gekrönten Mohren als Erinnerung an das Bistum und das Hochstift Freising, den Bären des heiligen Korbinian, dem Patron des Erzbistums München und Freising, und eine Muschel, die an den heiligen Augustinus erinnert und zugleich als Symbol für die Kirche als Pilgerndes Gottesvolk steht.

Gefertigt wurde das Steinwappen von Ulli Stemann in der Werkstatt Heinz-Jürgen Brune (Soest).

Papst Franziskus (2013-2025)

Bürgerlicher Name Jorge Mario Bergoglio SJ

Wahlspruch MISERANDO ATQUE ELIGENDO (Aus Barmherzigkeit erwählt)

(wie bereits als Erzbischof von Buenos Aires)

Wie sein Vorgänger verzichtet auch Papst Franziskus bei der Rahmung des Wappens auf die Tiara und ersetzt sie durch die Mitra. Anstelle des Palliums erscheint nun erstmalig ein Schriftband mit dem päpstlichen Wahlspruch.

 

Auch als Papst übernimmt Franziskus sowohl seinen Wahlspruch wie auch die drei Symbole seines Wappens, die seine Lebens- und Glaubensgeschichte verdeutlichen, aus seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires. Die Sonne mit flammenden Strahlen und der Aufschrift IHS (Christusmonogramm mit einem Kreuz und drei Nägeln) ist das Symbol der Jesuiten. Franziskus gehörte als erster Papst der Geschichte diesem Orden an. Der Stern unter der Sonne ist ein Bild für die Gottesmutter Maria, die Nardenblüte rechts verweist in der spanischen Bildtradition auf den heiligen Josef, den Patron der Kirche. Beide Heilige hat Papst Franziskus besonders verehrt. Der Dreiklang der Symbole für Jesus, Maria und Josef ist zugleich eine Erinnerung an die Heilige Familie.

Gefertigt wurde das Steinwappen von Ulli Stemann in der Werkstatt Heinz-Jürgen Brune (Soest).

Papst Leo XIV. (gewählt am 8. Mai 2025)

Bürgerlicher Name Robert Francis Prevost OSA

Wahlspruch IN ILLO UNO UNUM (In diesem Einen eins)

(wie bereits als Bischof von Chiclayo und als Kurienkardinal)

Die Rahmung des Wappens ist mit der seines Vorgängers Franziskus identisch.

Seinen Wahlspruch und sein Wappen übernimmt Papst Leo XIV. aus der Zeit als Bischof von Chiclayo in Peru und als Kurienkardinal. Die Lilie auf blauen Grund ist ein marianisches Symbol und weist auf seine Marienverehrung hin, das flammende, von einem Pfeil durchbohrte Herz auf einem Buch erinnern an den heiligen Augustinus und den Orden der Augustiner, dem Leo XIV. als der erste Papst der Geschichte angehört. Er ist außerdem der erste in den USA geborene Nachfolger des Apostels Petrus.

Gefertigt wurde das Steinwappen in der Werkstatt Bernhard Sobbe (Werl) im Sommer 2025 von Alessandro Pellecchia, feierlich gesegnet durch den Apostolischen Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Nikola Eterović, und den Erzbischof von Paderborn, Dr. Udo Markus Bentz, am Sonntag, 28. September 2025, und an der Fassade der Wallfahrtsbasilika montiert am 13./14. Oktober 2025 von Bernhard Sobbe und seinem Mitarbeiter Marcin Mokrzanski.